HELM
HELM

Helmling

Informativ. Anregend. Kritisch.

ISOBUSSY

26.01.2016

iosobus_400.jpg

Unaufhaltsam kriecht die Angst in seinen Nacken. Schweiß flutet seine Haut wie ein klebriger Saft. Seine aufgerissenen Augen flimmern nervös, während die Liste aus Leid endlos über den Bildschirm scrollt. Es wird nie aufhören.

Was sich liest, wie der Prolog eines Westfalenkrimis, ist nur die Realität an der Hotline, der ein Anrufer wieder einmal Probleme mit seinem "ISOBUS“ beschreibt.

Was ist ein BUS?

Der Begriff ISOBUS setzt sich zusammen aus ISO, einer Datennorm und BUS, einer Übertragungstechnik namens CAN-Bus. Dieser wurde in den achtziger Jahren von Bosch entwickelt, um Informationen platzsparend übertragen zu können. Anstatt jeden elektrischen Kontakt über ein einzelnes Kabel zu verbinden, fließen codierte Datenpakete durch eine einzelne Leitung.

Das erspart dicke Kabelbäume und ermöglicht darüber hinaus ein einfaches Teilen von Informationen. So genügt es, die Fahrgeschwindigkeit in den CAN-Bus einzuspeisen damit beliebige Komponenten sie abgreifen können.

Als erstes landwirtschaftliches BUS-System wurde das LBS an der TU München unter der Leitung von Professor Auernhammer entwickelt. Ab 2001 entstand daraus der ISOBUS.

Woraus besteht ein ISOBUS System?

1. ISOBUS Datentechnik (Maschine-Maschine)

Stecker, Leitungen, Sensoren, Ventile, Jobrechner innerhalb der Maschine sowie zwischen Maschine und Schlepper. Wer einen ISOBUS Stecker an seinem Traktor hat, kann damit noch lange nicht die Spritze steuern.

2. ISOBUS Universal Terminal (Mensch-Maschine)

Das Universal- oder Virtual Terminal ist die ISOBUS Bedieneinheit - bestehend aus Anzeige und Tasten. Es hat selbst keine ernsthafte Intelligenz. Displayinhalte und Funktionen erhält es vom Jobrechner der angeschlossenen Maschine. Dieser führt auch die Befehle aus. Ein UT kann entweder als separates Terminal oder als Software im Schlepperterminal integriert sein.

3. ISOBUS Taskcontroller (Schlagkartei-Mensch-Maschine)

Der Auftragsmanager dient dazu, Daten mit der Schlagkartei auszutauschen und im Terminal bereitzustellen. Der Transport erfolgt mit der „Taskdata“. Diese XML Datei wird von der Schlagkartei erstellt. Sie kann Schläge, Umrisse, Artikel, Arbeiter, Aufträge (z.B. Tankmischungen) und Applikationskarten enthalten.

Meist wird die Taskdata auf einen USB Stick oder eine SD Karte gespeichert, die in das Terminal gesteckt werden. Bearbeitete Fläche, ausgebrachte Menge und Zeit werden zurückgeschrieben. Freilich ist die Benutzerfreundlichkeit im Zeitalter von vernetzten Smartphone Apps nicht mehr optimal.

Die Taskdata ist auch ein Problemkind des ISOBUS. Viele Hersteller, viele Jahre und viel Kleinserie bedeuten viele Sprachfehler. Was gestern noch ging, geht heute nimmer mehr.

AEF will ISOBUS auf Linie bringen

Nach 8 Jahren mit vielen Köchen und wenig Brei hatte die Landtechnikbranche erkannt, dass es einer strafferen Organisation bedarf, um den ISOBUS auf Spur und in eine erfolgreiche Zukunft zu bringen. Es wurde die AEF mit Sitz in Frankfurt gegründet.

Der Verband, dem inzwischen alle namhaften Hersteller angehören, hat sich unter anderem auf die Fahne geschrieben, ISOBUS Systeme auf Kompatibilität zu zertifizieren.

Über Symbole soll der Landwirt auf einen Blick erkennen können, welche Informationen Schlepper + Maschine + Software gemeinsam verstehen. Zum Beispiel, ob ein Düngerstreuer mit den Schlagumrissen aus dem Schlepperterminal etwas anfangen kann. Helm ist aktives Mitglied der AEF im Bereich Software.

Die ersten 10 Jahre

Ab 2001 wurden weltweit drei Organisationen ins Leben gerufen, um den Standard zu entwickeln. Von Anfang an war Kverneland die treibende Kraft. Bei den Schlepperherstellern hatte John Deere – damals bereits Technologieführer mit seinen Lenksystemen - schon bald ein ISOBUS Logo. Bei der Schnittstelle zur Agrarsoftware zeigte man sich dagegen zugeknöpft – eine Taskdata verstehen die Terminals bis heute nicht.

Frei nach dem Motto „Euer Weg soll kein leichter sein“, wurde der Austausch auf AO Software beschränkt. 80% aller Schlagkarteien in Deutschland waren damit außen vor. Diese Strategie hat sich inzwischen gewandelt, rechtzeitig zur Agritechnica 2015 wurden die Softwareanbieter eingeladen, den ISOBUS über MyJohnDeere zu bedienen. Die neue Willkommenskultur ist wohl weniger ein Zeichen entflammter Nächstenliebe, sondern dient eher dem Kalkül, im nächsten Schritt das Farmmanagement gleich ganz zu übernehmen ☺.

Fendt startete zunächst mit einer nicht ISO Lösung. Vario-Doc-Basic konnte Daten mit der BASF Schlagkartei austauschen, der fachliche Input kam von Helm.

Dem ISO-fähigen Varioterminal gab man innovative Schnittstellen mit auf den Weg. Bluetooth sollte die Technik sein, um auf den USB Stick verzichten zu können. Die Allgäuer stellten sich vor, mit dem Schlepper langsam und gleichmäßig am Büro vorbei zu fahren und dabei über Funk die Daten auszutauschen. Alternativ gab es die Professional Version mit Übertragung über einen Internetserver. Helm unterstützt beide Varianten von Anfang an, die Anwenderzahl ist bis heute überschaubar geblieben.

Fazit

Mit der AEF hat der ISOBUS Fahrt aufgenommen. In den nächsten Jahren wird sich die Technik immer besser verstehen und man sollte ohne Probleme beliebige Maschinenkombinationen zusammenstöpseln können.

Lassen Sie sich beim Neukauf schriftlich zusichern, was das ISO-System leisten soll und ob es mit Ihrem Schlepper und mit Ihrer Schlagkartei harmoniert.

Wenn Sie keine Applikationskarten (Teilschlag-Dosierung) einsetzen und nur dokumentieren wollen, geht das mit der Schlagkartei App einfacher und schneller.

Alle Einträge